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07/21: Graffi-Hobby zum Beruf gemacht.

Zahlen, Statistiken und Bilanzen den ganzen Tag lang vor Augen, das war Julian Irlich auf Dauer doch zu langweilig. Wovon viele Hobbykünstler (nur) träumen, hat der junge Brachbacher wahrgemacht. Er hat seine wahre Passion entdeckt und diese zum Beruf gemacht. Aus der Passion wurde dann Profession. Julian Irlich (29) ist seit Anfang 2019  freiberuflicher Graffitikünstler und Maler. Das hat er – ganz gelernter Industriekaufmann  – gut geplant. Den alten Job nicht gleich an den Nagel gehängt, sondern in Teilzeit weitergearbeitet: „Schauen was geht“, hieß zunächst seine Devise. 

Die kaufmännischen Erfahrungen im „alten“ Beruf sind ihm als Freiberufler und Künstler  sehr nützlich. Irlich gibt Workshops für Kinder und Jugendliche, gestaltet Wände, Fassaden und Büros für Unternehmen und ist für kulturelle Einrichtungen unterwegs.  „Graffiti war schon immer mein Hobby“. Doch das Hobby hauptberuflich zu machen, sei noch ein ganz anderes Ding, resümiert er nach knapp zwei Jahren Selbständigkeit. Akquise und Angebote, Künstlersozialkasse und Überschussrechnung, das sind nur einige Themen, die sich der Jungunternehmer aneignen musste.


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Julian inmitten seiner Spielzeuge, wie er all seine Spraydosen, Farbrollen und Malpinsel nennt.  


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Bei einem Workshop mit Jugendlichen. Es gilt noch Maskenpflicht in der Corona-Pandemie.


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Julian gestaltet ein Banner an der Fassade des Apollo-Theaters in Siegen. Unterhalb des Goethe-Zitats sprüht er seine Meinung zum Virus.


  Es ist ein großer Unterschied, ob man aus Freude an Kreativität oder Technik gerne malt, schreibt oder fotografiert oder ob man sich das Ziel setzt, Kunst professionell zu betreiben und davon zu leben. Man mag ein guter Amateur als Musiker, Maler, Autor oder Fotograf sein, kreativ und versiert, vielleicht ein Experte auf seinem Gebiet, doch der Sprung in die Selbständigkeit heißt in der Regel, seiner „gesicherten“  Existenz Adieu zu sagen. Ich kann kein Künstler abends oder am Wochenende sein, Freiberufler und Künstler zu sein, ist für mich ein Full-Time Job", verdeutlicht  Irlich. Über die Jahre hat sich der Brachbacher seinen individuellen Stil erarbeitet. Zunächst als Hobbykünstler später als Selbständiger. Bei Kindern und Jugendlichen kommt beispielsweise sein „Comic-Style“ bestens an. Das sind witzige Figuren, die sich durch ihre Überzeichnung und Farbenfreude beim Betrachten für Jung und Alt schnell erschließen. Man lächelt quasi schon beim Anschauen der Graffiti. Julian Irlich liebt das sogenannte Style-Writing": „Bei diesem Stil handelt es sich quasi um das klassische Graffiti, mit dem ich mich schon seit gut 15 Jahren beschäftige“. Entwurf, Konzept, Materialplanung  – das Künstlerleben ist nicht nur easy und kreativ, lacht Irlich. Viele Workshops mit Kindern und Jugendlichen sind ihm in der Corona-Krise weggebrochen: „Da bekommt man es schon ein wenig mit der Angst zu tun“, gibt er zu. Doch dafür sind Firmenaufträge reingekommen. Seine Inspirationen holt sich der Brachbacher in Museen und Ausstellungen. Dafür fährt er auch gern weite Wege. Und träumt für die Zukunft von einem großen Atelier mit viel Platz, am besten in einer Industriehalle mit schön hohen Decken.